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Klasse statt Masse- ist ÖKO(logischer) Landbau die Lösung?

In eigener Sache.......
meine Berufskollegen, die sich für die biologische Wirtschaftsweise entschieden haben, dürfen sich meiner Hochachtung gewiss sein. Mir geht es mit meinen Ausführungen nicht darum, diesen Berufszweig in Mißkredit zu bringen.
Genauso wehre ich mich aber gegen Meinungen wie, die konventionelle Landwirtschaft würde die Umwelt vergiften, krankmachende Nahrung produzieren etc.

Nicht Hysterie und Schuldzuweisungen sind das Gebot der Stunde, sondern eine sachliche Diskussion hilft sowohl Verbrauchern als auch Landwirten.

Die BSE Krise ist für die Regierung der Anlass, die deutsche Landwirtschaft grundsätzlich umzugestalten. Der Anteil biologisch erzeugter Nahrungsmittel soll von jetzt unter 3% auf 20 % ansteigen.
                   “Klasse statt Masse” lautet der Slogan von Frau Künast.

Kann auf diese Art genügend Nahrung produziert werden?
         Sind biologisch erzeugte Nahrungsmittel von besserer Qualität?
               Welche Folgen hat die Umgestaltung für Landwirte und Verbraucher?
Diese und weitere Fragen will ich versuchen zu beantworten.
                     Dazu Zahlen, Fakten und Vermutungen.....

Die heutige Situation (2000/2001)!

  • die mittlere Betriebsgröße eines westdeutschen Bauernhofes beträgt 21 ha,              im Osten durchschnittlich 170 ha, auf ganz Deutschland bezogen 31 ha.
  • für die heutige 80%ige Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln werden 17 Mio. ha Land benötigt
  • auf mehr als 90% aller ldw. Betriebe arbeiten nur Familienarbeitskräfte
  • auf einem westdeutschen Hof werden im Schnitt 62 Rinder (davon 31 Kühe) gehalten
  • über 80% der Geflügelfleisch- und Eierproduktion liegt in der Hand von Gewerbetreibenden, nicht von Bauern
  • bis Ende 2000 produzierten deutsche Landwirte nur 86% des hiesigen Fleischbedarfs
  • Anno 2000 sind in Deutschland für 23 Mrd. DM mehr Nahrungsmittel eingeführt als ausgeführt worden.
  • wir importieren mehr Lebensmittel als Russland und China zusammen gerechnet.

Der Ökolandbau (2000/2001)!

Der Flächenanteil beträgt in Deutschland lediglich 2,6%. Zum Vergleich: Italien 3,2%, Dänemark 3,6%, Finnland 5,9%, Schweiz 7,3% und Österreich 9% (seit 1998 etwa 10% weniger Biobetriebe). In Spanien, Niederlande, Großbritannien und Frankreich liegt dieser Anteil um 1% und weniger.

Innerhalb unseres Landes weist Mecklenburg- Vorpommern mit 6,2% den höchsten und Bremen/ Niedersachsen mit etwa 1% den niedrigsten Anteil auf.

Dazu.......
bei einer 100%igen (heute 80%) Versorgung der Bevölkerung mit deutschen Nahrungsmitteln aus  biologischem Landbau (etwa 40% weniger Ertrag) und gleichbleibenden Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung wären zusätzlich über 18 Mio. ha Land nötig, mehr als das Doppelte der heutigen Fläche.

Sind Ökoprodukte von besserer Qualität?

Oft wird behauptet, Ökoprodukte seien nicht nur teurer, sondern schmackhafter und von besserer (gesünderer) Qualität, da deren Anbau auf “natürliche “ Weise erfolgt, weitestgehend ohne Mineraldünger und chemischen Spritzmitteln.
Auffällig ist, dass sich auf den Internetseiten der Öko-Ringe kaum Nahrungsmittel- Vergleiche zwischen konventioneller und ökologischer Produktionsweise finden.
Dagegen liefert die Homepage vom Bundestagsabgeordneten Helmut Lamp einige Vergleiche, die aber teilweise schon Jahre zurück liegen.

  • Bei Rindfleisch aus dem Betrieb des Abgeordneten und gleiches aus dem Kieler “1000-Körner-Laden”, beides von der LUFA-Kiel 1989 auf Schadstoffe untersucht, liegt bei 2 Substanzen der “Konventionelle” über dem “Bio”, bei 5 Substanzen ist es umgekehrt- 21 sind gleich. Anzumerken ist noch, dass die Unterschiede äußerst gering sind und ca. 100fach unter dem dem zulässigen Höchstwert liegen.

Unterschiede im Geschmack beider Fleischarten??  Schauen Sie auf die 22.Woche

Eine Untersuchung auf Vitamine und Carotin von Möhren und Kopfsalat brachte überwiegend sogar leicht höhere Werte bei der konventionellen Anbaumethode.

COMPUTERBILD ließ über ein beauftragtes Labor Anfang 2001 im Internet bestellte Wurstwaren testen. Zwar war die Etikettierung nicht immer in Ordnung; doch von den 79 Wurstarten enthielt keine Antibiotika.
Die STIFTUNG WARENTEST untersuchte im Juni 1999 Frisch- und H-Milch auf Rückstände von Antibiotika. Alle 31 Proben waren negativ.

Dazu.......
ich habe keine Beiträge im Internet gefunden, die belegen, dass “Bio” eine bessere Qualität aufweist. Zwar nehmen die “Öko-Webseiten “ für sich in Anspruch, gesündere und hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren; doch den belegbaren Beweis bleiben sie schuldig.
Nach einer Untersuchung des amerikanischen “Center of Global Food Issues” haben amerikanische und kanadische Bio-Lebensmittel einen Marktanteil von 1%. Dieser Anteil ist jedoch von 8% aller dortigen Rückrufaktionen und öffentlichen Risikowarnungen wegen einer eventuellen Verbrauchergefährdung betroffen.

Ein Blick nach vorn!

Folgende Ausgangssituation ergibt sich im ersten Halbjahr 2001:

  • bei der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Wirtschaftsweise reichen die Kapazitäten nicht aus, um die deutsche Bevölkerung bei der momentanen Ernährungsweise ausreichend mit heimischer Nahrung zu versorgen.
  • konkrete Nachweise, nach denen biologische Nahrung hochwertiger ist als konventionelle, habe ich nirgends gefunden.
  • auch während der BSE Krise ist der Verbraucher -bis auf Ausnahmen- nicht bereit auf ökologische Lebensmittel umzusteigen und dafür einen höheren Preis zu zahlen

Wenn der Öko-Landbau politisch auf 20% “verordnet” wird, dann muss vorab sicher gestellt sein,

  • woher die fehlenden Lebensmittel kommen. In anderen Staaten nimmt man es mit der Reinheit nicht so genau (Spritzmitteleinsatz im Landbau, Hormone im Fleisch, genmanipuliertes Saatgut u.ä.).
  • wie alles finanziert wird; denn die Öko-Landwirtschaft benötigt mehr Beihilfen als die konventionelle. Heute fördert z.B. das “schwarze” Bayern jeden Öko-Hektar mit 707 DM und das “grüne” Schleswig Holstein lediglich mit 60 DM. Wenn diese Wirtschaftsweise jetzt verzehnfacht wird, muss sicher gestellt sein, woher das fehlende Geld angesichts leerer Staatskassen kommt. Der Verbraucher scheint nicht bereit, dafür seinen Obolus an der Ladentheke zu zahlen.

Dazu.......
eine auf dem “Verordnungswege” geschaffene Öko-Landwirtschaft könnte, wenn nicht das nötige Geld über die Ladenkassen fließt, auch den heutigen sich im Gleichgewicht befindlichen Öko-Markt durch ein künftiges Überangebot und damit Preiskampf stark erschüttern. Dieser Zustand würde ein Massensterben bei den Bio-Höfen verursachen.
Die konventionellen deutschen Bauernhöfe sind zu 90% Familienbetriebe, und der weitaus größte Teil der Menschen in unserem Lande hat erkannt, dass diese Betriebe ebenso gesunde und hochwertige Nahrungsmittel produzieren.
Zwischen beiden Wirtschaftsarten kann es auch Zwischenlösungen geben, wie verringerter Mineraldünger- und Spritzmitteleinsatz, ähnlich wie es heute schon in vielen Wasserschutzgebieten praktiziert wird.
Es ist meiner Meinung wichtig, alle vorhandenen Wirtschaftsarten dem Verbraucher anzubieten, nicht auf dem “Verordnungswege”, sondern über das Kaufverhalten; denn Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

Bio & BSE
Die Biolandwirtschaft wird allgemein als BSE-sicher angesehen. Dazu

  • in der Schweiz, Frankreich und Deutschland sind bisher insgesamt auf Bio-Betrieben 5 BSE Fälle registriert.
  • bei Marc Purdey, dem Biobauern in England, sind nach seinen Angaben die (zugekauften) Rinder von BSE befallen, die (höchstwahrscheinlich) mit Phosmet behandelt wurden.
  • seit Jahrzehnten empfehlen die Ökoverbände ihren Betrieben die Knochen- und Blutmehldüngung. Obwohl der Tiermehleinsatz  im Januar 2001 verboten ist, kann Knochenmehl in jedem größeren Gartengeschäft erworben werden.

Es ist nicht auszuschließen, dass auch in Biobetrieben BSE Tiere vorkommen, und die in der Vergangenheit mit Knochen- oder Blutmehl gedüngten Flächen könnten sich als wahre BSE Depots herausstellen, die diese Krankheit später wieder in die Ställe bringen

    

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